Dienstag, 14. Juni 2011

Werbeträger von Beruf

Ich bin 31 Jahre alt. Man würde mir glauben, wenn ich sage ich bin 21. Gerade in Europa wäre ich ein idealer Werbeträger für alles Mögliche, da ich einen starken Wiedererkennungswert ausstrahle. Einmal gesehen, erinnern sich alle wieder an mich. Egal wie viel Jahre vergehen. Einmal wanderte ich durch das Partyvolk. Da springt doch glatt ein Mädchen aus der Masse:

"Ich kenne dich.
Du hast im Shoppingcenter Mal am Flügel gespielt."

Tatsächlich habe ich acht Jahre zuvor, als die Weihnachtslounge während der Weihnachtszeit stand, im Einkaufszentrum Klavier gespielt.

Nicht dass ich eine Auswahl hätte, wüsste ich nicht für was genau ich werben könnte. Entweder kann man etwas und leistet das überdurchschnittlich gut, oder man sieht einfach nur gut aus. Ich bin leider kein Dressman, aber für hiesige Gewohnheiten mache ich bestimmt einen speziellen Eindruck. Zudem Punkte ich mit meinem Multi-Dialekt plus akzentfreiem Deutsch. Das mache ich gerne, damit sich mein Gegenüber heimelig fühlt. Das reicht wohl noch nicht ganz um für etwas zu werben.

Was kann ich denn überdurchschnittlich gut? Was kann ich gar nicht? Ich kann beispielsweise nicht schwimmen, was ein Handicap wäre, wenn ich Wassersport betreiben würde. Daher bevorzuge ich lieber auf einer Yacht zu segeln, wenn dann Mal die Gelegenheit dafür bestünde. Ich kann zwar nicht schwimmen, aber das hält mich nicht vom Tauchen ab. Ich kann mich für Instrumente begeistern. Besonders das Klavierspielen fällt mir leicht. Für das, dass ich noch nie Klavierstunden genommen habe, spiele ich ganz schön beeindruckend.

Mir fehlt zwar die Brille dafür, doch müsste ich eigentlich programmieren können. Was Asiaten oft als Klischee nachgesagt wird und erstaunlicherweise kann ich sogar programmieren. Zumindest bringe ich das analytische Verständnis hierfür mit. Ich habe auch ein Verständnis zum Musik mixen. Doch wenn ich den professionellen DJs bei der Arbeit zuschaue, kommt mir schnell Mal ein starker Respekt hoch, weil nebst sauberen und kreativen Übergängen, raffiniertem Geschick, auch die Wahl der Lieder Mass geben für gute Unterhaltung im Publikum.

Was könnte ich sonst noch? Eigentlich kann ich gar nichts. Oder besser, ich kann von allem etwas. Nur nicht richtig. Ich kann immerhin überall mitreden. Aber was noch wichtiger ist, ich kann gut zuhören. Und das macht mich zum Multitalent.

Ich denke es ist vorteilhaft, aber man muss nicht zwingend was können oder gut aussehen, um einen wirkungsvollen Werbeeffekt zu erzielen. Beispielsweise die ehemalige Miss Schweiz (Christa Rigozzi*), ich hatte sie kaum wiedererkannt, wirbt für ein Getränk, dessen Namen ich nicht mehr weiss, zur besten Sendezeit in einem aufwendigem Clip. Ich nehme an, sie hat reichlich Gage erhalten, aber ich weiss bis heute nicht, wie das Getränk schmeckt.

Dasselbe mit der Jetsetterin und, man könnte meinen, unersättlichen Partygängerin (Paris Hilton*), wirbt für Prosecco in Dosen (Rich Prosseco*). Ich habe mir schon vorher eine davon gekauft und degustiert. Er hat mir nicht geschmeckt. Vielleicht liegt das daran, dass meiner Auffassung nach, Prosecco sauer und Champagner süss schmeckt. Ich mag beides nicht. Das liegt vielleicht daran, dass ich allgemein alkoholische Getränke nicht mag. Obwohl ich früher Literweise davon bestellte. Whiskey Cola (mit Black Label* natürlich), Wodka* Red Bull*, Swimmingpool, Long Island Ice Tea, Manhattan oder was sonst noch so im Long Drink Becher serviert wird. Ich mag den Rausch nicht. Dieses beschwipst oder sogar besoffen sein, ist nichts für mich. Dennoch würde ich für alkoholische Getränke werben. Genau so wie für Tabak.

Man muss weder speziell etwas können, noch gut aussehen. Zum Werbeträger braucht es nur ein bisschen Glück und die richtigen Verbindungen, wie für so manch andere Dinge auch.

*Namens- und Markennennungen dienen lediglich um eine bessere Positionierung in den Suchmaschinen zu erzielen.